Viele junge Berufsleute warten zurzeit gespannt auf Post. Ich kann mich noch gut erinnern, wie es damals für mich war. Und dann kommt der erhoffte Brief. Die Hände zittern und die Nerven sind gespannt wir Drahtseile. Endlich ist das Resultat da. Wenn dann auch noch steht „herzlichen Glückwunsch, sie haben die Prüfung bestanden“, heisst es für viele Jugendliche aufatmen. Für jeden Lernenden ist das zugleich ein Ende und ein Neuanfang. Ab jetzt werden sie in der Arbeitswelt unterwegs sein, ohne den Bonus eines Lernenden und erhalten den ersten „grossen“ Lohn. Bevor das jedoch soweit ist haben wir auf der grafischen Branche einen ganz tollen Brauch, den wir immer gerne zelebrieren. Wir gautschen unsere Lehrabgänger. Doch woher kommt der Brauch überhaupt?

Ich habe mich etwas schlau gemacht. Gautschen ist ein bis ins 16. Jahrhundert rückverfolgbarer Buchdruckerbrauch, bei dem ein Lernender nach bestandener Abschlussprüfung im Rahmen einer Freisprechungszeremonie in einer Bütte untergetaucht und/oder auf einen nassen Schwamm, getränkt mit Bier, gesetzt wird.

In seiner ursprünglichen Bedeutung bezeichnet der Begriff „Gautschen“ den ersten Entwässerungsschritt nach dem Schöpfen des Papiers, das Ablegen des frisch geschöpften Papierbogens vom Sieb auf eine Filzunterlage.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich – sowie sehr wahrscheinlich viele Berufskollegen von mir – selber nicht genau wusste woher der Brauch stammt. Wir wollen unseren Lernenden vor allem eines mit auf den Weg geben: Wir sind stolz auf dich und wünschen dir für die Zukunft alles Gute. Sei stolz auf deinen Beruf, den er ist toll.

In Kürze ist es wieder so weit. Behalten Sie das Dorf gut im Auge wenn Sie dem Spektakel beiwohnen wollen.  Schon bald dürfen wir wieder durch die Strassen ziehen und unseren Lernenden Zene Nexhipi gautschen.